„Goldene Gedanken“: Was war das für 1 Spiel?

01/03/2017

Mittwoch, 1. März 2017. Katerstimmung bei der Goldenen Generation. Blutunterlaufene Augen, die in Kombination mit langsamem Kopfschütteln jegliche Worte überflüssig machen. Trotzdem stellt schließlich jemand die Frage, die alle bewegt: „Was war das denn gestern für ein verrücktes Spiel?“

Es war um kurz nach halb eins, als Roman Bürki den entscheidenden Elfmeter von Lottes Kapitän Gerrit Nauber parierte. Es war geschafft! Der BVB hatte den Drittligisten mit 9:8 im Elfmeterschießen besiegt und steht nun zum vierten Mal in Folge im Halbfinale des DFB-Pokals.

Als „schwere Geburt“ könnte man die 120 Minuten zuvor bezeichnen. Wenn man auf charmante Euphemismen steht. Eigentlich waren es ja sogar noch mehr, rechnet man die zehn Minuten Stromausfall dazu, wegen denen die Partie Mitte des zweiten Durchgangs unterbrochen werden musste. Warum um alles in der Welt musste das Stadion-Catering auch, allen Warnungen zum Trotz, die Fritteuse einschalten?

Nach dieser Zwangspause verflachte die Partie leider, wahrscheinlich, weil die Spieler nun komplett durchgefroren waren. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass sich BVB-Kapitän Marcel Schmelzer kurz vor Schluss der regulären Spielzeit bei einem Sprint beide Oberschenkel zerrte. Für ihn brachte Thomas Tuchel Emre Mor. „Ich wollte mit diesem Wechsel ein Zeichen setzen und auf die Platzverhältnisse aufmerksam machen“, erklärte der Coach hinterher seinen albernen Wortspiel-Wechsel. Immerhin war Mor der einzige Spieler, der aufgrund seines Gewichtes nicht im Morast stecken blieb.

Ein kleiner Skandal war es ja schon, dass die Partie überhaupt angepfiffen wurde. Spätestens als sich der planmäßige Schiedsrichter Dr. Felix Brych bei der Begehung des Platzes das Kreuzband riss, hätte der DFB eine Verlegung der Partie zumindest in Erwägung ziehen können. Immerhin zeigten sich die mitgereisten Dortmunder Fans ob der jüngsten Eskapaden reumütig. Zumindest konnte man zwischenzeitlich versöhnliche Sprechchöre wie „Fußball-Macht dem DFB“ aus dem Gästeblock vernehmen. #fairegesänge

Sportlich wurde dann ja auch einiges geboten. Die Gastgeber konnten ihr Glück kaum fassen, als sie durch Tore von Freiberger (16.) und Rosinger (20.) plötzlich mit 2:0 vorne lagen. Unglaubliches Pech derweil für den BVB, dass Aubameyang zwei Mal das leere Tor verfehlte. Als er kurz vor der Halbzeit dann auch noch einen Strafstoß in die Arme von Lottes Keeper Fernandez lupfte, platzte seinem Coach verständlicherweise der Kragen. Er nahm den Gabuner raus, brachte Merino für die Defensive und ließ Łukasz Piszczek als Sturmspitze agieren. Der polnische Goalgetter zahlte das Vertrauen mit zwei Treffern (48., 56.) zurück.

Das Elfmeterschießen bot dann noch einmal Spannung pur. Erst recht, als die ersten beiden Schützen beider Teams jeweils beim Anlauf wegrutschten und das Leder über den Kasten jagten. Im Teamhotel des FC Bayern trafen sich in diesem Moment die verstohlenen Blicke von Philipp Lahm und Xabi Alonso. Beide lächelten kurz und schauten dann verlegen zu Boden.

Vielleicht wird es im Halbfinale ja wieder der FCB. Oder vielleicht doch Frankfurt? Gar der S04? Richtige Euphorie will heute im Büro diesbezüglich noch nicht aufkommen, dazu haben wir einfach zu wenig geschlafen. Aber wenn heute Abend die nächsten Partien ausgelost werden, wird das Pokal-Fieber schon wieder zurückkommen. Bestimmt.

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